Alle Macht der
Remote Work?

Der extreme Personalmangel lässt Unternehmen bei den Benefits die Spendierhosen anziehen. Viele Arbeitnehmende können sich aussuchen, ob sie vollständig remote arbeiten möchten. Das bringt Unternehmen im Recruiting gleichzeitig Chancen wie Herausforderungen.

Elon Musk und Reed Hastings können schimpfen, wie sie wollen, aber Remote Work ist gekommen, um zu bleiben. Wer sie als Arbeitgeber nicht anbietet, schießt sich bei vielen Kandidatinnen und Kandidaten sofort ins Aus. Arbeitnehmende, auch junge, sind immer weniger bereit, für einen Job ihren Wohnort zu wechseln. Sollten Unternehmen also 100 Prozent Remote Work anbieten, um möglichst viele potenzielle Mitarbeitende anzulocken?

Bevor wir diese Frage beantworten, lohnt sich ein Blick in den Gallup Report 2022. Die Arbeitnehmerumfrage zeigt deutlich, wie sehr eine emotionale Bindung die Wechselbereitschaft der Angestellten senkt: 95 Prozent der Personen mit einer hohen Bindung planen auch in einem Jahr noch bei ihrem aktuellen Unternehmen zu arbeiten. Bei Personen mit einer geringen emotionalen Bindung sind es nur 58 Prozent.

Kein Geheimtipp, aber immer noch selten und damit ein echter Benefit:

Um herauszustechen, locken manche Unternehmen mit dem World-Office: Wer will nicht im Januar lieber am Pool in Thailand oder in einem Co-Working-Space in Südafrika arbeiten als im kalten Deutschland. Die internationale Publicis Groupe verkündete beispielsweise in ihrem letzten Weihnachtsspot, jeder (!) Mitarbeiterin und jedem (!) Mitarbeiter im Jahr 2022 neben dem normalen Home-Office auch sechs Wochen World-Office zu ermöglichen.

Wer Remote Work anbieten muss

Ein hoher Anteil von Remote Work führt ohne eine hervorragende (digitale) Führung und Kommunikation zu einer schlechteren Beziehung zwischen Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden. Deswegen gewinnen Führungskräfte, die „New Work können“ und ihr Team erfolgreich motivieren, immer mehr an Bedeutung.

Wie lautet also die Antwort auf die Eingangsfrage, ob ein Unternehmen 100 Prozent Remote Work anbieten sollten? Für mich lautet sie „Ja und Nein“. Ausschlaggebend ist nämlich, wer die Frage beantwortet. Daher lautet aus meiner Sicht die entscheidende Frage: Wer sollte (vollständiges) Remote Work anbieten?

Meinen Mandanten, die außerhalb der großen Medien-, Agentur- und Digitalmetropolen sitzen, empfehle ich, vollständiges Remote Work anzubieten. Wollen die Unternehmen Top-Kandidatinnen und -Kandidaten, müssen sie diesen Benefit anbieten. Der übliche Standortnachteil wird damit sogar egalisiert und Unternehmen können auf einen viel größeren Kandidatenpool zurückgreifen. Wer sich dagegen entscheidet, muss damit rechnen, dass die Qualität und Quantität der Bewerberinnen und Bewerber sinkt und die Suche deutlich länger dauert. Ausnahmen bilden dabei Stellen, wo eine persönliche Zusammenarbeit vor Ort mit den Kolleginnen und Kollegen und Mitarbeitenden erfolgskritisch ist.

Mandanten in den großen Metropolen oder mit einer hohen Anziehungskraft rate ich, einen hohen, aber nicht vollständigen Anteil Remote Work anzubieten. Denn nicht alle Arbeitgeber haben eine Unternehmenskultur und Arbeitsabläufe etabliert, die auch in einer (vollständigen) digitalen Zusammenarbeit funktionieren – und eine hohe Mitarbeiterbindung fördern.

Emotionale Bindung im digitalen Zeitalter

Drei zentrale Fragen, die Unternehmen bei Remote Work beantworten müssen, sind:

  • Wie schaffen wir eine ortsunabhängige Arbeitgeber-Identifikation?
  • Wie führen und motivieren Führungskräfte ihre Mitarbeitenden über digitale Kanäle?
  • Wie integrieren wir neue Mitarbeitende auf digitalem Wege?

Wer hier als Arbeitgeber keine überzeugenden Antworten findet oder in der Umsetzung zu lange braucht, wird Mitarbeitende verlieren und beim Recruiting erfolglos bleiben! Denn ohne eine gute Arbeitgeber-Identifikation wird Remote Work zur Falle: Sie ist notwendig, um Mitarbeitende zu finden. Gleichzeitig macht sie ohne emotionale Bindung Mitarbeitende zu modernen Arbeitsnomaden, denen egal ist, für wen sie arbeiten.

Viele Unternehmen haben hier bereits gute Lösungen gefunden. Abschauen ist ausdrücklich erlaubt! Entscheidend ist der Wille, die Unternehmenskultur, die Arbeitsweisen und die Teamführung einzustellen auf den nunmehr nicht mehr ganz so neuen Arbeitsalltag. Survival of the fittest.

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